Venom 4K Blu-ray im Test: Ruben Fleischer verspielt Potential

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"Venom" erscheint auf 4K UHD Blu-ray. Wie gut schlägt sich der Marvel Charakter in 4K/HDR?

Mit „Venom“ wird einer weiteren Figur aus dem Marvel Universum ein Film gewidmet. Wie gut die Premiere auf 4K Blu-ray aussieht und klingt, erfährt ihr in unserem Test!

Inhalt (70%)


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Jetzt will es Sony Pictures wissen: Nachdem man mit Tom Holland als Spider-Man in Homecoming bereits das zweite Reboot des Marvel-Franchise auf den Weg brachte, das allerdings zum MCU zählt, startet man nun ein parallel laufendes Marvel-Universum. Und zwar mit einer weiteren Figur, an der man (neben Spider-Man) die Rechte hält: Venom. Ob und inwiefern eine bereits beschlossene Fortsetzung noch Bezug auf die Spinne nehmen wird, ist aktuell unklar. Für Sony erwies sich die Entscheidung, die Figur separat zu erzählen und damit ein eigenes Marvel-Universum zu starten, als überraschend erfolgreich. Bei einem Budget von 100 Mio. Dollar konnte Venom weltweit gut 855 Mio. Dollar einspielen und brach diverse Rekorde für Oktober-Starts.

Sicherlich auch ein Erfolg der Kombination aus Regisseur und Hauptdarsteller. Ruben Fleischer bewies in „Zombieland“ genau den Humor, den sich die Produzenten offenbar auch für Venom vorstellten, um der düsteren Anti-Helden-Figur eine leichtere Note zu verpassen. Und dass Tom Hardy geradezu idealtypisch besetzt ist, um einen ambivalenten Superhero zu spielen, weiß man, wenn man ihn als Bane in The Dark Knight Rises gesehen hat. Dazu wählte man mit dem (oft rebellischen) Matthew Libatique nicht ganz ohne Grund den angestammten Kameramann von Darren Aronofsky. Mit Black Swan oder mother! hatte er seine Vorliebe für düstere Bilder gezeigt, in Iron man und Iron Man 2 aber auch bewiesen, dass er Superheldenkino kann.

Eddie, gespielt von Tom Hardy, wird unfreiwillig mit einem Alien-Virus infiziert
Eddie, gespielt von Tom Hardy, wird unfreiwillig mit einem Alien-Virus infiziert

Aber kommen wir noch mal zurück zu Hardy: Man sieht ihm vom Moment seines Befalls mit dem Symbionten an, wie viel Freude er hatte, zu improvisieren und sich extrovertierter Aktionen hinzugeben. Wenn er Anne und ihrem neuen Date im Restaurant einen Besuch abstattet und dabei alles zu verspeisen versucht, was ihm in die Finger gerät, ist das schon ein großer Spaß. Ebenso überzeugend gerät seine Verwunderung über die Kräfte, die er plötzlich zur Verfügung hat, wenn er ungläubig die Venom-Faust anschaut, bevor sie einen der Agenten von Drake verdrischt.

Gleichzeitig präsentiert Venom den Gegenspieler, Carlton Drake, als aalglatten und skrupellosen Geschäftsmann, der gerne mal eine Drohung losschickt und für seine Ziele ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen geht. Dass die Story dabei arg viele Parallelen zu Spider-Man selbst (und zu vielen anderen Marvel-Geschichten) aufweist, muss man hinnehmen. Originell geht’s hier definitiv nicht zu. Optisch indes wählte man eine dem Thema entsprechende Düsternis, die sich von Spidey und den anderen Marvel-Kollegen bewusst abhebt. Brock ist ein abgehalfterter Typ mit Wut im Bauch, der, sobald er vom Symbiont befallen ist, verschwitzt und schmuddelig durch die Gegend wandelt. San Francisco wird derweil zu einem wichtigen Nebendarsteller. Denn die Brücken und das Wasser, die abschüssigen Straßen und die kleinen Gemischtwaren-Läden der schlechteren Gegend vermitteln viel Atmosphäre.

Während Setting und Stimmung sowie die Darsteller durchweg passen, nimmt sich Fleischer vielleicht ein bisschen zu viel Zeit, um die Action in Fahrt zu bringen. Für Freunde schneller und rasanter Filme heißt es zunächst mal, etwas Durchhaltevermögen mitzubringen. Denn immerhin dauert es bis zur 50. Minute, bevor Brock als Venom mal so richtig die Sau rauslässt. Weil das aber wirklich fantastisch choreographiert ist, macht es auch unglaublich viel Spaß. Gerade die erste Kampfsequenz in Brocks runtergekommenen Appartement ist klasse inszeniert. Da Eddie seine Kraft noch nicht kennt und keinem der Agenten wirklich weh tun will, liegen er und Venom permanent im Clinch, was auch über die Körperbewegungen entsprechend visualisiert wird.

Eddies Ex-Freundin Anne Weying (Michelle Williams) gerät mitten in das Chaos
Eddies Ex-Freundin Anne Weying (Michelle Williams) gerät mitten in das Chaos

Was Fans ihm allerdings übel nahmen, ist sein Verzicht auf allzu grafische Gewalttaten. Der in den Comics doch ziemlich brutale Venom wirkt durch die 12er Freigabe und den ausgiebigen Humor doch ein wenig weichgespült – einen zweiten Deadpool sollte man hier nicht erwarten. Neben der konventionellen Erzählung ist das sicher ein Kritikpunkt. Gleichzeitig hätte man sich Momente sparen können, in denen der Symbiont Eddie Beziehungstipps gibt, was nun wirklich Fehl am Platze ist.

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Bildqualität (80%)

Venom wurde vollständig digital gefilmt. Da die VFX in 2K gerendert wurden, liegt es allerdings nahe, dass vom Ausgangsmaterial ein 2K-DI erstellt wurde. Abgesehen von der Auflösung implementierte Sony der UHD einen erweiterten Farbraum im Rahmen von Rec.2020 sowie die höhere Kontrastdynamik – hier in HDR10 und Dolby Vision.

Whazuuuuup! Die Bildqualität von Venom kann durch den erweiterten Dynamikumfang (HDR10 Dolby Vision) gesteigert werden. Das 2K-Master bringt leider weniger Vorteile mit sich
Whazuuuuup! Die Bildqualität von Venom kann durch den erweiterten Dynamikumfang (HDR10 Dolby Vision) gesteigert werden. Das 2K-Master bringt leider weniger Vorteile mit sich

Im laufenden Bild sind zwar die Randunschärfen und das generelle eher mittelmäßig gut aufgelöste Bild, das schon die Blu-ray offenbart, nicht behoben, dafür kommen Kontraste wesentlich besser zur Geltung. Die leichte Abdunklung des Bildes fällt über HDR10 nicht dramatisch auf, die Intensivierung von Kontrast und Schwarz hingegen schon. Das All zu Beginn ist sichtbar schwärzer und knackiger, die Sterne leuchten gleichzeitig heller. Dennoch sind manche Kontrastflanken nicht ganz so steil wie über die Blu-ray – und auch nicht so krass wie teilweise per Dolby Vision dargeboten. DV sorgt zwar in vielen Szenen für die stärker betonten Helligkeitsbereiche auf Gesichtern, lässt aber hier und da ein paar Details im Dunklen vermissen. Dennoch: Wer’s am dynamischsten und ohne jeden Grauschleier haben möchte, der wählt (falls möglich) die dynamische Variante. Letztere sorgt beispielsweise während der nächtlichen Szenen von San Francisco für die beeindruckendsten Abbildungen der Skyline und Lichter auf der Brücke. Beiden HDR-Varianten gleich: Dunkle Szenen mit starker Farbstimmung überstrahlen nicht.

Nicht ganz so schön: Auch die UHD kommt nicht ohne Banding-Artefakte aus, wenn Brock nach knapp 90 Minuten im Meer versinkt. Allerdings geht dort die Datenrate auch runter bis auf 12Mbps – und sinkt damit sogar unter die Werte der Blu-ray (86’42).

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4.3 von 5 Sternen (557 customer reviews)

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Tonqualität (90%)

Beim Sound wartet die BD von Venom mit den für Anbieter Sony üblichen dts-HD-Master-Spur fürs Deutsche auf. Und die feiert mit dem Absturz des Shuttles einen wuchtigen Einstand mit bohrenden Surroundeffekten und ziemlich krassem Subwoofer-Einsatz. Selbst wenn nach dem Opener für einige Zeit Ruhe einkehrt, weil sich der Film Zeit für die Entwicklung seiner Figuren nimmt. Doch schon die Flucht aus dem Labor nach gut 35 Minuten sorgt wieder für eine sehr lebhafte und wuchtige Bühne.

Der deutsche DTS-HD MA 5.1 Mix von Venom kann überzeugen, Sony Pictures zeigt sich aber gewohnt faul und bringt wieder einmal kein Dolby Atmos in Deutsch auf die Reihe!
Der deutsche DTS-HD MA 5.1 Mix von Venom kann überzeugen, Sony Pictures zeigt sich aber gewohnt faul und bringt wieder einmal kein Dolby Atmos in Deutsch auf die Reihe!

Tja, und dann ist da noch die Präsenz des Centers in den Sprachszenen von Venom. Wer mal testen möchte, wie gut sein zentraler Speaker arbeitet und wie viel Volumen er mitbringen kann, der sollte sich Venom schon allein für die Demonstrationswürdigkeit sämtlicher Sprechszenen des Symbionten zulegen. Das kann schon die deutsche BD wirklich gut und vermittelt bereits sehr nahe, wie es sich für Brock anfühlen muss, den Symbionten in sich zu tragen. Noch besser macht’s aber die Originalfassung. Wenn Venom Eddie das erste Mal vor dem Spiegel anspricht, katapultiert es unseren Helden gleich zwei Meter rückwärts. Und den Zuschauer gleich mit. Selten (wenn überhaupt) wurde ein Center so effektiv und druckvoll eingesetzt und sorgte für derartige Gänsehaut-Effekte – selbst wenn man die deutsche Fassung hier leider als etwas dünner bezeichnen muss, während die englische Center-Referenz auf lange Sicht werden dürfte.

Der Originalton liegt auf der UHD in Dolby Atmos vor und klingt auf der regulären Ebene aufgrund des noch präsenteren Centers nochmals etwas kraftvoller. Die Höhen-Ebene setzt erstmalig ein, wenn das Shuttle der Life-Foundation mit grandiosen Soundeffekten in die Erdatmosphäre eintritt. Direkt im Nachgang hören wir bei den Bergungsarbeiten Drohnen und Hubschrauber über den Köpfen, dass es eine wahre Freude ist. Dass es danach bis auf ein paar dezente Geräusche in den Labors der Life Foundation und einen kurzen Donner von oben ein wenig länger ruhig bleibt, liegt vornehmlich daran, dass einfach nicht mehr sonderlich viel passiert, während die Story selbst in Gang kommt.

Wenn Eddie allerdings ins Labor einbricht und dort der Symbiont im Konflikt mit Maria liegt, ist wieder eine Menge los. Denn dazu gesellen sich auch die Durchsagen im Lab, die sehr gut ortbar aus der Höhe kommen. Ebenfalls ziemlich cool sind auch die Rauchbomben nach 66 Minuten, die Venom mal eben mit der Hand fängt. Wenn er sich dann im Nebel einen Bewaffneten nach dem anderen schnappt, kommen auch seine grollenden Laute immer wieder von oben.

Unverkennbar San Francisco. Bei Venom hat man manchmal das Gefühl, Regisseur Ruben Fleischer ändert mehrmals die Richtung seiner Erzählung
Unverkennbar San Francisco. Bei Venom hat man manchmal das Gefühl, Regisseur Ruben Fleischer ändert mehrmals die Richtung seiner Erzählung

Dies offenbart allerdings auch ein kleines Manko, das man sich gerne gewünscht hätte: Während der vielen Szenen, in denen Brock praktisch Zwiegespräche mit seinem zweiten Ich führt, hört man die tiefdunkle Stimme sehr eindringlich über die reguläre Ebene. Hier hätte man sich durchaus noch vorstellen können, die Heights hinzu zu nehmen, um noch mehr das Gefühl einer Stimme aus dem Inneren zu bekommen.

  • Deutsch: DTS-HD MA 5.1 (85%) 2D-Betrachtung
  • Englisch: Dolby Atmos (70%) 3D-Betrachtung (Quantität)
  • Englisch: Dolby Atmos (85%) 3D-Betrachtung (Qualität)

Bonus (70%)

Das Bonusmaterial von Venom liegt auf der Blu-ray vor. Als erstes Feature stolpert man dort über den „Venom Mode“. Aktiviert man diesen, bekommt man (ähnlich dem Vengeance-Mode in The Equalizer) Text-Pop-Outs im laufenden Film eingeblendet, die Insider-Infos und Wissenswertes über die Beziehung des Films zu den Original-Comics liefern.

Des Weiteren finden sich drei entfallene erweiterte Szenen. Das Kern-Feature „Vom Symbiont zur Leinwand“ beschäftigt sich gut 20 Minuten lang mit der Entwicklung des Films. In „Anti-Held“ geht’s dann hauptsächlich um Venom und Eddie – also um die symbiotische Beziehung der beiden zueinander. „Der tödliche Beschützer in Action“ führt ins hinter die Kulissen der Action- und Stuntszenen, während „Venom-Vision“ sich auf Ruben Fleischer konzentriert. „Das Design von Venom“ läuft knapp fünfeinhalb Minuten und – wen wundert’s – zeigt, wie man den düsteren Anti-Helden visualisierte und das Comic-Design in das filmische Design verwandelte. „Symbionten-Geheimnisse“ ist eher kurz geraten, hält aber einige für Fans ziemlich interessante Querverweise auf die Comics parat. Obendrauf gibt’s dann noch acht Pre-Visualisierungen in direkter Gegenüberstellung sowie die Musikvideos von Eminem zu „Venom“ und Post Malone & Swae Lee zu „Sunflower“. Eine Sneak Peek zu „Spider-Man: A New Universe“ rundet das Ganze ab.

Gesamtbewertung Venom 4K Blu-ray (80%)

Venom ist der schizophrenste und neben Deadpool zynischste Charakter aus dem Marvel-Universum. Ruben Fleischer und Tom Hardy haben daraus einen sarkastischen Spaß mit teils sensationellen Actionszenen und grandiosem Sound-Design gemacht. Die Lacher halten sich aber leider in Grenzen. Die Fortsetzung ist nach dem großen Erfolg an den Kinokassen beschlossen und wird uns mit einem Woody Harrelson überraschen, den wir in dieser Art und Weise zuletzt in Natural Born Killers gesehen haben. Die UHD liefert trotz einiger auch dort vorhandener Mankos das durchweg bessere Bild – leider nicht auf absolutem Top-Niveau. Der Sound in dts-HD-Master ist schon ein Fest, wird aber von der englischen Atmos-Spur noch überflügelt, weil sie zwar quantitativ nicht viele, dafür aber sehr gezielt gesetzte 3D-Sounds liefert. Die Stimmwiedergabe von Venom gehört zum Besten, was ein Center jemals zu spüren bekam.

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin:14. Februar 2019Review am:09. Februar 2019
Erscheinungsjahr Film:2018Laufzeit:112 Minuten
Filmstudio:Sony Pictures Home EntertainmentFSK:ab 12 Jahre
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24pUntertitel:
Englisch
Bildformat:
2.35:1 / 16:9Tonspur:
Deutsch DTS-HD MA 4.1
Englisch Dolby Atmos
High Dynamic Range:
HDR 10 & Dolby VisionAusstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV:LG OLED55B7D
Testgerät Player:Panasonic UB9004

Venom Trailer:

Venom 4K Blu-ray im Test: Ruben Fleischer verspielt Potential
3.3 (66.67%) 6 Bewertung[en]

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